Der Fall eignet sich um Konzepte der Autonomie (Anspruchs- vs. Abwehrecht) zu diskutieren, ebenso wie Reichweite und Grenzen der Verpflichtungen des Behandlungsteams sowie ethische Aspekte der des (inter)professionellen Handelns im stationären Akutbereich
Fallbeschreibung
Herr M. wurde aufgrund einer seit längerer Zeit bestehenden COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) stationär aufgenommen. Der Grund für die stationäre Aufnahme ist eine akute Verschlechterung (Exazerbation) seiner Grunderkrankung, die vornehmlich mit starker Atemnot und starkem Husten, sowie Abgeschlagenheit und Fieber einhergeht. Herr M. erhält im Rahmen seiner stationären Behandlung u.a. regelmäßige Infusions- und Inhalationstherapien.
Zu Beginn der stationären Aufnahme kann Herr M. aufgrund der Atemnot das Bett nicht eigenständig verlassen. Er erhält eine Nasenbrille, über die er den zusätzlichen Sauerstoffbedarf selbstständig und individuell an sein eigenes Befinden anpassen kann. In den ersten Tagen benötigt der Patient die zusätzliche Sauerstofftherapie mindestens 15 Stunden täglich.
Nach einigen Tagen tritt eine erste Verbesserung der Symptome ein, insbesondere die Atemnot und den Husten betreffend. Erste Schritte im Zimmer und im Gang unmittelbar vor dem Zimmer sind Herrn M. mit Unterstützung möglich. Der Patient benötigt den zusätzlichen Sauerstoff schließlich nur noch bei besonderer körperlicher Anstrengung, z.B. bei der täglichen Körperhygiene am Waschbecken.
Am 12. Tag nach stationärer Aufnahme und gut verlaufender Therapie bittet Herr M. das Behandlungsteam darum, mit dem Rollstuhl nach unten in den Raucherbereich gefahren zu werden, da er sich so sehr nach einer Zigarette sehne.
Frage- oder Problemstellung, mit welcher eine Beschäftigung mit dem Fall angeregt werden soll:
Wie sollten sich das Behandlungsteam aus ethischer Sicht gegenüber dem Wunsch des Patienten verhalten? Besteht eine Pflicht, dem Patienten zu helfen? Ist es zulässig, dem Patienten zu helfen?
Variante(n) des Falles:
Für den Fall, dass ein Großteil der Gruppe zu der Einschätzung kommt, dass keine Verpflichtung seitens des Behandlungsteams besteht, den Patienten in den Raucherbereich zu fahren, kann die zusätzliche Frage gestellt werden, ob es denn zulässig sei, dem Patienten den Rollstuhl wegzunehmen, um ihn am Rauchen zu hindern, da das Ergebnis in beiden Fällen ja erst einmal dasselbe sei: Der Patient gelangt erst einmal nicht in den Raucherbereich. Eine unterschiedliche ethische Bewertung beider Fallvarianten ist entsprechend eigens zu begründen und die relevanten ethischen Konzepte herauszuarbeiten.
Hintergrund:
Fiktiver Fall
Quellen:
Die Fallbeschreibung basiert auf Fölsch, Doris 2008. Ethik in der Pflegepraxis. Anwendung moralischer Prinzipien im Pflegealltag. Wien, S. 62-63.
Zitiervorschlag:
Eine Fallbeschreibung basierend auf einer Fallbeschreibung von Doris Fölsch aus Ethik in der Pflegepraxis. Anwendung moralischer Prinzipien im Pflegeallltag. Wien, S. 62-63 / Quelle: Toolbox AG ethik learning / https://www.medizinethiklehre.de/fallbesprechung/copd-patient-will-nach-erfolgreich-verlaufender-stationaerer-therapie-vom-behandlungsteam-in-den-raucherbereich-gefahren-werden/ / Lizenz: CC BY-NC 4.0 (Creative Commons Lizenz Namensnennung-nicht kommerziell- 4.0- international, URL: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/legalcode.de)
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